Strenglin 2020

Gemeinsam durch die Corona-Zeit – wer braucht schon online-Schach?

Das fünfjährige Strenglin-Jubiläum fand in diesem Jahr vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie statt. Bekanntermaßen ist der Schachsport diesbezüglich seit einem halben Jahr von schwerwiegenden Einschränkungen betroffen. Abgesagte Punktspielrunden und Schachturniere sorgen für Frust – Schachspieler auf Entzug gewissermaßen.

Umso mehr habe ich mich über die Möglichkeit gefreut, als Gast der Möllner Schachspieler am Wochenendseminar in Strenglin teilnehmen zu können. Deshalb vielen Dank an die Organisatoren Mike und Wolfgang. Und so viel kann ich vorab schon einmal verraten: Es hat sich gelohnt!

Das Hotel „Strengliner Mühle“ habe ich als gediegenes familiär geführtes Landhotel mit besten Bedingungen für ein Seminarwochenende kennengelernt. Zum 5. Jahrestag des Seminars bedankte sich daher der Vorsitzende Mike Schlüter und überreichte einen Präsentkorb an die Leitung des Hauses.

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Ein kleines Dankeschön an das Hotel und deren Mitarbeiter/innen.

Das Training beginnt mit Taktikaufgaben zum „warm werden“ – Vorteil in 2 Zügen von Paul Gaffron. Die Ergebnisse werden durch den Trainer Wolfgang Krüger eingesammelt. Nachdem gleich der erste Teilnehmer sein korrigiertes Aufgabenblatt mit der trockenen Bemerkung „Du hast gerade 50 DWZ verloren“ zurückbekommt, bin ich nicht nur warm. Ich laufe bereits heiß bei diesem Aufgabenniveau. Da hilft sicher ein kühler Schluck Mineralwasser – ausgerechnet Marke „Magnus“.

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Genug Aufgaben für alle…

Im Anschluss dann Variantenberechnung in Partnerarbeit – den methodischen Ansatz der Kombination von 2 Spielern unterschiedlicher Spielstärke empfinde ich als konstruktiv für beide Seiten.

Was ist der beste Zug?
Hihi, da sind 50 DWZ weg…

Nachdem gegen 20 Uhr der letzte Teilnehmer eingetroffen war, wurde die ursprünglich geplante Vereins-Blitz-Meisterschaft spontan durch eine lebhafte Diskussionsrunde hinsichtlich der Planung von Vereinsabenden in Corona-Zeiten ersetzt. Eine wichtige Diskussion wie ich finde. Geht es doch darum, geeignete Trainings-Organisationsformen vor dem Hintergrund von Hygienevorschriften umzusetzen.

Nachdem Samstag ab 9 Uhr die letzten Aufgaben zur Variantenberechnung besprochen sind, geht es an die eigentlichen Schwerpunkte des Schachwochenendes.

Freibauern

Von der Planung- „Welcher der Burschen wird im Verlauf der Partie mein Freibauer?“ – bis hin zur aktiven Umsetzung von Gewinnplänen gibt uns der Trainer entscheidende Hinweise vor dem Hintergrund, den Freibauern nicht nur besitzen zu wollen sondern ihn tatsächlich auch gefährlich zu machen.

Isolierter Bauer

Wie bekämpft man einen Isolani und wie spielt man selbst mit ihm? Beide Möglichkeiten dieses schier unerschöpflichen Themas wurden durch Wolfgang ausführlich erörtert und zu Schwerpunkten zusammengefasst. Wann tausche ich sinnvollerweise Leichtfiguren? Wo positioniere ich meine Schwerfiguren? Wie setze ich benachbarte Bauern als Hebel ein?

Der methodische Ansatz der Theorieaufbereitung im Plenum mit anschließender Bearbeitung von passenden Spielsituationen aus Meisterpartien ließ uns das Erlernte anwenden und vertiefen.

In der anschließenden Auswertungsphase heißt es dann hellwach viele der Trainerhinweise aufzunehmen. Hier hilft es, den Code der Krüger‘schen Schachsprache dechiffrieren zu können.

Ich erhalte auch mal Hinweise, wie – „Nach dem Zug kannst Du eigentlich zusammenschieben“ – „So willst du nicht wirklich stehen“ – „Das muss man mögen“ oder „Ganz okay“ und merke: Es geht aufwärts!

Und tatsächlich auffällig die konstruktiv-ehrlichen Rückmeldungen in einer stets sachbezogenen und partnerschaftlichen Teamatmosphäre.

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Besprechung der Lösungen..

Einen durchdachten Lösungsansatz der schwersten Aufgabe liefert ausgerechnet der Teilnehmer, der gestern übereifrig 50 DWZ „eingebüßt“ hat. Er bekommt von Wolfgang tatsächlich glatte 10 virtuelle DWZ-Punkte zurück. Großzügigkeit war gestern- Motivation ist angesagt!

Das Training ist für heute geschafft und nach dem Abendessen endet der Abend spät in der Nacht mit viel Trubel bei rasanten Blitzpartien sowie einer Viererrunde Skat (Friedrich Fiedler weit vorn und ich glücklich mit Platz 2). 

Friedrich auf der Siegerstraße..
Mieses Blatt..
Skeptischer Blick vom Trainer..

Nach Räumung der Zimmer geht es Sonntag ab 9 Uhr weiter. Bis 12:30 Uhr liegt das Hauptaugenmerk auf dem Thema „Stellungsbeurteilung und Plan“. Es werden 4 Partien von Teilnehmern beleuchtet, entscheidende Spielsituationen diskutiert und Partiemöglichkeiten ausgelotet. Sogar eine Partie von mir aus der jüngeren Vergangenheit ist dabei und ich bekomme viele Vorschläge von den Teilnehmern für alternative Lösungsansätze. In Verbindung mit den dazu passenden Begründungen ergibt sich der Mehrwert im Vergleich zu einer Analyse durch einen schnöden Computer von selbst.

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Wer erreicht die meisten Punkte..?

Mit einem anschließenden Rückblick auf Strenglin 2020 und viel positivem Feedback von Teilnehmern, Vorsitzendem und Trainer endet das Schachseminar.

Bleibt mir als Gast festzuhalten:

Ein vom Vorsitzenden perfekt organisiertes Schachwochenende mit einem Trainer, der umfassend vorbereitet und trainingsmethodisch durchdacht für echten Leistungszuwachs verantwortlich zeichnete sowie ein MSV-Schachteam, dass 3 Tage konstruktiv, lösungsorientiert und mit Spaß unterwegs war. Schön war’s.

 Gemeinsam durch die Corona-Zeit – wer braucht schon online-Schach?

(Jan Laue)

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