Strenglin 2021

Es klappert in der Mühle bis spät in die Nacht, Schachmatt…..

Zu Gast beim Möllner Schachseminar in der Strengliner Mühle !

Wer kennt es nicht mehr, als alte Volkslied, „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach, klipp klapp.“ ? Nun, klappern tun in der Strengliner Mühle, nach dem Abriss der eigentlichen Windmühle im Jahr 1937, dieses Wochenende nur noch die Schachfiguren auf ihrem Weg den wohl vermeintlich besten, schnellsten und effektivsten Zug zu finden um den gegnerischen König möglichst leise ins Schachmatt zu befördern.

Zum 6. Mal findet das Schachseminar des Möllner Schachvereins in dieser malerischen wunderschönen Umgebung statt. Die Organisatoren Mike Schlüter und Wolfgang Krüger haben also nicht zu viel versprochen, als sie uns in der Vergangenheit von diesem tollen Ort vorschwärmten. Mit Urlaubslaune und Wellnessgedanken im Kopf checken wir, die Neulinge auf diesem Seminar und Gäste aus Kiel, voller Vorfreunde, ein. Noch angetan von dem sehr netten Empfang und den vorzüglichen Zimmern erreichen wir einen Ort, der so in einem Märchen wohl nicht vorgesehen ist, den Tagungsraum……

Sofort sind wir hellwach. Beamer, Stellwände mit Plänen, Schachbretter, Uhren und jede Menge Kisten mit vielen Zetteln erwarten uns. Der Raum wurde bereits von Seminarleiter Wolfgang und seinen Helfern perfekt vorbereitet.

Einige erfahrene Seminarteilnehmer des Möllner SV sind schon da und haben nur ein Lachen auf ihrem Gesicht, als wir nach einer vorgesehenen Zeit für die Nutzung von Strandkorb, Wellnessbereich und Wanderpfad fragen.

Wir werden sofort nett aufgenommen und spätestens die Einteilung der „Arbeits-Pärchen“ für das Wochenende lässt uns und die anderen Gäste und Neulinge des Seminars vergessen, dass wir das erste Mal dabei sind.

Zum Ankommen und Warmwerden erarbeiten wir in Zweiergruppen die verschieden Mattbilder. Es wird gegrübelt, diskutiert und probiert.

Ich stelle fest, Schach ist so vielseitig wie die Menschen selbst, es gibt so unzählig viele Möglichkeiten.

Ein paar Minuten später wird klar, dass sich diese Erkenntnis auch auf die Essenliste, die sich seitdem wie ein roter Faden durch das Seminar zieht, übertragen lässt.

Eigentlich ist es ganz einfach, es gibt eine Suppe, dann wählt man aus 3 Hauptgerichten, vorzugsweise indem man einen Strich hinter das jeweilige Gericht setzt, und zum Schluss informiert der Zettel was es zum Nachtisch gibt.

Wie das liebe geduldige Personal unsere zurückgegebene Essenliste zu jeder Mahlzeit entziffern und umsetzen kann, bleibt wohl deren Geheimnis und ist sicher auf deren Kompetenz und Erfahrung zurückzuführen.

Denn anstatt einen Zettel mit 15 Strichen verteilt auf die 3 Hauptgerichte, erhält die Küche ganz „schachgemäß“ einen vollständigen Analysebogen zurück, auf dem notiert ist, welche Möglichkeiten es noch geben würde. „Nein“ zur Suppe, Suppe mit und ohne Sahne oder lieber einen Vorspeisensalat, einen Salat als Hauptgericht, gar keinen Nachtisch oder einen anderen als den, der vorgesehen ist, und nicht zuletzt besondere Ernährungsformen und Allergien. Alles in einem gibt es für 15 Teilnehmer also mal 12 Essen und mal 17 oder so…. Es werden am Ende aber immer alle glücklich und zufrieden satt. Mein tiefer Respekt und Anerkennung gehen an dieser Stelle ganz klar an die Küche der Strengliner Mühle.

Zurück zum Seminar.

Wir haben uns bisher mit Mattbildern, Matt in 1 Aufgaben, verschiedenen Endspielen und anderen Grundlagen beschäftigt. Besonders schön ist die Arbeit in den kleinen Zweiergruppen, in denen der eine vom anderen profitieren kann und/oder der Spielstärkere dem Schwächeren sein Wissen weitergeben kann.

Wenn man sich mit seinem Kaffeebecher zurücklehnt und den Gesprächen an den anderen Tischen lauscht, spürt man den Elan, die Motivation, den Austausch unterschiedlichster Lösungsansetze sowie den Eifer und die Spannung.

Es passt einfach alles zusammen. Der Ort, der Trainer und die bunt gemischte Truppe an Teilnehmern.

Das für nach dem Essen angesetzte Blitzturnier muss zunächst dem Wissendurst der Teilnehmer weichen, denn alle möchten unbedingt weiter lernen und arbeiten.

Und so klappern die Figuren im anschließenden „Spätblitzturnier“ bis tief in die Nacht. „Klein-Levi“ weiß leider noch nicht wie sich ein ordentlicher Gast benimmt und stielt den Eingesessenen den Sieg im Blitzturnier. Er gibt dabei nur einen halben Punkt gegen Trainer Wolfgang ab.

Nach einem ausgiebigen Frühstück startet der nächste Tag.

Bauernendspiele, Turmendspiele, Schutz und Sicherheit des Königs.

Dazwischen immer das lustige Spiel „Finde des besten Zug“ bei dem ein paar Züge einer Partie gezeigt werden, dann stoppt die Vorführung und jeder muss für sich entscheiden wie es weiterginge. Und natürlich ist es doch klar, dass der eigene gefundene Zug der beste sein muss. Für diesen gäbe es denn 3 Punkte, wenn es denn tatsächlich der beste Zug wäre. Während in den ersten Runden noch demütiges Nicken und Verständnis angesagt ist, wird spätestens am Sonntag hitzig diskutiert. Der Wettbewerbscharakter ist durchgebrochen und jeder hat den Ehrgeiz bei diesem Spiel zu Punkten. Am Ende gewinnt ironischer Weise, ganz passend zu dem verrückten Wochenende, Maximilian die kleine Schokoladentorte nebst Pralinen, die er natürlich nicht isst und sie deshalb gerne weiterreicht. Aber die Ehre für die meisten gefunden besten Züge gebührt ihm ganz alleine.

Läufer gegen Springer, Dame gegen Turm, isolierte Bauern und Schlüsselfelder. Nein, wir spielen auch nach dem Essen in dieser märchenhaften Umgebung nicht das Brettspiel „Sagaland“, in dem es um Märchen geht. Wir möchten immer noch besser im Spiel der Könige werden und trainieren unermüdlich weiter. Und dazu muss erwähnt werden, dass Wolfgang wirklich auf alles und jeden vorbereitet ist, die schnellen Schüler, die alle Zettel förmlich verschlingen, die Starken und die Schwächeren. Jeder bekommt genau was er braucht und kann in seinem Tempo arbeiten und lernen. Und ebenfalls sollte gesagt werden das Mike und Wolfgang dies ehrenamtlich in ihrer Freizeit tun, einfach weil sie Spaß daran haben.

Mit dem Abendessen geht es zum gemütlichen Teil über. Die einen spielen Schach, die anderen Skat, eine weitere Gruppe analysiert die letzte „Finde den richtigen Zug“- Partie oben im Seminarraum und einige nutzen die Zeit zum Ausruhen und Kraft tanken für den nächsten Tag.

Wer jetzt denkt wir spielen Kneipenskat, der kennt die Möllner aber schlecht, denn natürlich wird nach den Regeln der Skatliga gespielt. Mit 18, 20, Mist, verloren startet mein Abend und ich kann auch hier insbesondere von Skatbruder Friedrich sehr viel lernen. Die erste Runde geht ganz klar an ihn und ich übernehme artig, wie es sich gehört für einen Gast, hinter Andreas, den letzten Platz. In der zweiten Runde mit Friedrich und Jan am Tisch läuft es etwas besser, wobei kein Weg an Friedrich vorbeiführt.

Am Nachbartisch heißt es für Lars, Mike, Andreas bzw. Jan „Gut Blatt“.

Direkt an der Bar wird Schach gespielt. Celina, Levi, Maximilian, Sven und Wolfgang sind vertieft in ihre Partien. Der ein oder andere schaut auf seinem Weg zum wohlverdienten Feierabend vorbei und sieht zu.

Allmählich wird es Nacht in der Strengliner Mühle, die Bar schenkt die letzte Runde aus, dann heißt es „18, 23:30, Gute Nacht……“

Nur eine kleine Runde unersättlicher Skatspieler zockt noch ein wenig in einer gemütlichen Sitzecke oben weiter. Selbstverständlich mit dem Ligazettel im Schlepp und ohne Contra, Bock und Schieberamsch.

Schon ist der letzte Tag erreicht. Viel zu schnell geht das Wochenende vorbei.

Am Vormittag wird noch einmal richtig trainiert und geschult bis die Köpfe qualmen und es kommt mir zumindest so vor, dass der ein oder andere etwas öfter die Kaffeekanne im Flur aufsucht, die während des ganzen Seminars stets zur Verfügung steht. Mit dem letzten Mittagessen und der natürlich positiven Feedbackrunde für Mike und Wolfgang endet das tolle Seminar.

Unsere Mägen sind gefüllt, unsere Köpfe sind voll mit vielen „neuen besten Zügen“ und glücklich summen wir auf dem Nachhauseweg das alte Lied bis es im nächsten Jahr hoffentlich wieder heißt: „es Klappert die Mühle……..“

Vielen Dank, insbesondere an Mike, der sich meiner so angenommen hat.

Yvonne Malinowsky