F-LEM 2015

Offene LEM der Frauen 2015 vom 19.-21.06.2015 in Mölln


Dieses Jahr war alles anders. Fast alles. Denn zum bereits 5. Mal und zum 4. Mal in Folge richtete die Schachsparte der Möllner Sportvereinigung von 1862 e.V. die Offene Frauen-LEM aus, natürlich wieder zusammen mit den Schachfreundinnen aus Hamburg. Der Termin war anders, nämlich sehr spät zum Ende der Saison. Vielleicht war das einer der Gründe, warum uns dieses Jahr die Schachspielerinnen die Bude einrannten.

Teilnehmerinnen und Helfer 2015

36 Teilnehmerinnen bei einer Frauen-Landesmeisterschaft dürften selbst bundesweit bisher einmalig sein. Da toppten wir selbst die 28 Teilnehmerinnen in Sachsen im letzten Jahr bei der “geschlossenen“ Frauen-LEM von Sachsen. Sicher ist aber auch, dass sich dieses tolle Turnier mit seiner sehr angenehmen Atmosphäre längst über die Grenzen von Schleswig-Holstein und Hamburg hinaus einen Namen gemacht hat. Daran dürften Mike Schlüter und sein engagiertes Team eine große Aktie haben. Selbst am Vorabend rief mich noch eine Spielerin aus Trier (!) an, die noch überlegte mitzuspielen.
Und hier ein bisschen Statistik:
20 Spielerinnen kamen aus unserem Bundesland, davon allein 13 aus dem Bezirk Ost. Das allein ist schon Spitze und übersteigt alles, seitdem ich seit 1998 akribisch alle Teilnehmerinnen bei unseren Frauenmeisterschaften mitgeschrieben habe. 8 Spielerinnen waren aus Hamburg und 4 aus Berlin. Weitere 3 kamen aus Sachsen, wobei sich Anne Pührer aus Coswig bei Dresden für ihren 2. Verein “Schach bei Mädler“, einen Verein aus Schleswig-Holstein, angemeldet hatte. Und schließlich war auch wieder unsere treue Helene Weinmann aus dem Saarland dabei. Die Altersdifferenz war mit den beiden 8jährigen Franziska Falke (Elmshorn) und Sonia Kriuckova (Berlin) sowie der fast 90 jährigen Elfriede Wiebke (Segeberger SF) so groß wie noch nie. Auch die Teilnahme von 18(!) jugendlichen Spielerinnen (davon 10 noch U12) war fantastisch.
Der Hektik des 1. Tages (erst arbeiten, dann anreisen und spielen) musste ich dann doch Tribut zollen. Als Wolfgang Krüger spät abends nach der 1. Runde die Preise und Pokale an einem sicheren Ort verstauen wollte, musste ich feststellen, dass der Karton mit den Pokalen nicht in meinem Auto war, obwohl ich ihn am Freitag doch schon einmal in der Hand hatte. Also fuhr ich notgedrungen am Samstag in der Mittagspause nach Hause (anstatt mich lieber 2 Stunden auszuruhen), aber auch dort waren sie nicht, grrrh. Ich hatte sie tatsächlich vor der 1. Runde mit ins Spiellokal genommen und unter dem Schiedsrichtertisch abgestellt. Dieser Fauxpas in Form einer Gedächtnislücke nach 4 Stunden Spielzeit sollte dann aber mein einziger für dieses Turnier sein.
Die Ausrichter um Mike Schlüter (Hauptorganisator), Wolfgang Krüger (Schiedsrichter), Martin Reinke und David Morawe (Technik und Background) sowie vielen weiteren fleißigen Helfern hatten wieder gute Vorarbeit geleistet. Zu allen vertretenen Bundesländern hingen die Flaggen im geräumigen Turniersaal an den Wänden und Fenstern. Auf allen Namensschildern war ebenfalls die Flagge des Bundeslandes gedruckt. Trotz der 18 Bretter hatten alle reichlich Platz und auch die vielen Zuschauer, nicht nur männliche, die bei allen Runden anwesend waren, konnten bequem an jedem Brett stehen, ohne den Spielerinnen zu nah zu kommen. Als Begrüßung bekam jede Spielerin ein Möllner Schokoladen-Präsent (hmmh, lecker). Die Spielerinnen wurden mit belegten Brötchen, Kuchen und Getränken versorgt, und das alles kostenfrei.

  1. Runde:
    Erwartungsgemäß setzten sich die Favoritinnen fast alle durch. Aber die (ganz) jungen Spielerinnen hielten ordentlich mit. Alva Glinzner (LSV) zeigte an Brett 1, was sie schon so drauf hat, und Jade Schmidt (Hamburger SK) musste lange (letzte Partie!) bis zum Sieg kämpfen. Aber auch Ornella Falke (Elmshorner SC) und Franka Müller-Glewe (Hamburger SK) spielten sehr gut und trotzten ihren Gegnerinnen ein Remis ab.
  2. Runde:
    Während es an den ersten 4 Brettern zu den erwarteten Ergebnissen kam (Anke Freter (SK Norderstedt) spielte eine positionell starke Partie, für die sie einen Sonderpreis von Wolfgang Krüger erhielt), sorgte die Jugend wieder für Aufsehen. Die 13jährige Henrike Voß nimmt der erfahrenen Simone Frübing (TuS Coswig) ein Remis ab und auch Nanke Caliebe (TuRa Harksheide), die sich kurz zuvor bei der DJEM warm gespielt hatte, hielt ebenso gut gegen Sabine Fett (LSV) mit.
    Helene hatte wieder einen Karton von ihrem wunderbaren selbstgemachten Honig aus der eigenen Imkerei dabei. Der ging weg wie warme Semmeln und vor der 3. Runde musste ich Mike betteln, dass er mir sein Glas überlässt.
  3. Runde:
    An Brett 1 kam es zum Duell zwischen Jade Schmidt und mir. Jade hatte sich top vorbereitet, ich hatte 2 Stunden Sinnlos-Autofahrt in den Knochen . Das schlug sich u.a. darin nieder, dass ich zwischenzeitlich 45(!) Minuten weniger Zeit hatte. Auch positionell hatte sie mich schon an die Wand gespielt. Dann verlor sie plötzlich den Faden und ich konterte und hatte plötzlich einen Bauern mehr. Jades Qualitätsopfer reichte nicht mehr zum Remis. An Brett 2 konnte sich Inken Köhler (TuRa Harksheide) gut gegen Katrin Dämering (Markkleeberg)
    aufstellen und hatte zeitweilig sogar einen Bauern mehr. Nach trickreichem Figurenspiel konnte Katrin allerdings eine Figur und damit die Partie gewinnen. In der längsten Partie der Runde trennten sich Ulla Hielscher (SK Doppelbauer Kiel) und Anke Freter nach hartem Kampf Remis. Nanke knöpft auch Simone Frübing ein Remis ab. Alva findet im Endspiel mit Turm und ungleichfarbigen Läufern ein schönes 3zügiges Matt.
    Am Samstagabend ist immer gemeinsames Abendessen beim Italiener “Pinoccio“ angesagt. In diesem Jahr hatte Wolfgang im Vorfeld ein Büffet bestellt, und da gab es richtig viele leckere Sachen! Und so wurde beim abendlichen Austausch sogar noch Schach gespielt!
  4. Runde:
    Im Duell Britta gegen Katrin tat man sich nicht weh. Nach 14 Zügen stand ich schon positionell sehr aussichtsreich, kenne aber Katrins Stärken im Figurenspiel und meine Schwächen in der Zeitnotphase. Also lieber den Spatz in der Hand…
    Ulla stellt Henrike mit einem vermeintlichen Bauerngewinn eine kleine Falle, die aber mit einer Minusfigur für Henrike endet. Inken tut sich anfangs recht schwer gegen die kleine Sonia, spielt aber letzten Endes im Turmendspiel ihre Erfahrung aus. Und auch Ornella führt ihrem Punktekonto einen weiteren halben Punkt gegen Helma Coriand (Blankenese) zu.
    Die Partie Anke gegen Anne bringt unseren leicht geänderten Zeitplan für die 5. Runde total ins Wanken. Der geplante Beginn um 14 Uhr wird auf 14:30 verschoben. Da die Partie aber erst um 14:20 endet, beginnen wir die letzte Runde letztlich um 14:45.
    Fototermin vor der letzten Runde. Es werden Fotos ohne Ende gemacht, weil immer irgendeine Spielerin fehlt , aber irgendwann ist dann das Foto mit allen Spielerinnen und Organisatoren im Kasten.
  5. Runde:
    Vor der Abschlussrunde hatten 4 Spielerinnen 3,5 Punkte. Bei Anke, Ulla und mir ging es dabei immerhin um den Titel von Schleswig-Holstein. Aber auch Inken lag mit 3 Punkten auf der Lauer, allerdings hatte sie mit Jade als Gegnerin das schwierigste Los. An Brett 1 konnte Katrin gegen Anke nach dem Damentausch ihre Bauern gegen die Leichtfiguren von Anke in Bewegung setzen und irgendwann hing da eine Figur. Ich hatte nach einem kleinen Wackler in der Eröffnung gutes Spiel am Damenflügel. Ulla konnte nicht rochieren, aber sie hielt ihren Laden dicht, und die Partie endete Remis. Inken hatte sich gegen Jade eine gute Stellung erarbeitet. Nach 25 Zügen waren beide Damen bedroht, Jade hatte extrem wenig Zeit. Da verwies der Schiedsrichter alle Zuschauer des Saales, damit diese extrem spannende Partie nicht gestört wurde. Nach der Abwicklung mit dem Tausch von vielen Figuren war ein Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern auf dem Brett. Inken hatte zwar noch einen Bauern mehr, aber der hätte wohl nicht zum Sieg gereicht.
    Damit waren die Plätze an der Spitze des Feldes entschieden. Katrin hatte als Einzige 4,5 Punkte und wurde somit Turniersiegerin. Ulla und ich hatten 4 Punkte, wobei ich bei der Buchholzwertung das bessere Ende hatte. Dritte Schleswig-Holsteinerin wurde Anke. Dann folgten 7 Spielerinnen mit 3,5 Punkten. Jade sicherte sich mit dem Remis in der letzten Runde den Titel der Hamburger Meisterin. Zweite Hamburgerin wurde Lisa Zimmermann, Dritte Dagmar Knobel. Es folgte das Rechnen und Geldwechseln wegen der Preisteilung nach Hort.
    Zur Siegerehrung waren dann auch fast alle Spielerinnen anwesend. Nur die Berliner mussten zum Zug, damit sie noch vor Mitternacht daheim sind. Es gab viele wertvolle Sachpreise von Chessbase und der Schachzeitung, so dass alle Spielerinnen mit einem Preis nach Hause fahren konnten. An dieser Stelle sei den Sponsoren herzlich für ihre tolle Unterstützung gedankt.
    Den Sonderpreis für die beste Spielerin des Bezirks Ost (ein prall gefüllter Präsentkorb) gewann Sabine Fett. Da Sabine mit dem Fahrrad angereist war, gab sie den Preis gern an Elfriede Wiebke weiter, die ihr Glück kaum fassen konnte.
    Ich denke, ich kann im Namen aller Teilnehmerinnen ein Riesen-Dankeschön an Mike Schlüter und sein Team weitergeben. Es passte einfach alles bei diesem Turnier. Wolfgang war neben seinem Einsatz als Schiedsrichter wieder bereit, viele Partien mit den Spielerinnen zu analysieren. Auch dafür herzlichen Dank!
    Alle Ergebnisse findet man hier:
    http://ergebnisdienst.schachverband-sh.de/index.php/aktuelles/termine2014?view=turnier_rangliste&turnier=44
    Beste DWZ U1399 Lisa Zimmermann
    Beste DWZ U1199: Freja Svane
    Beste U18: Inken Köhler
    Beste U12: Alva Glinzner
    Und das Beste zum Schluss: auch 2016 wird die Frauen-LEM wieder in Mölln stattfinden. Wir freuen uns schon jetzt darauf!
    Eberhard Schabel (TuRa Harksheide) hat auch viele Fotos gemacht https://cloud.web.de/ngcloud/external?shareId=Y3Rzs_6kQfyciA1Ez-QIEA87803#/OFLEM2015 und ein schönes Video zusammengestellt, das man hier findet: https://www.youtube.com/watch?v=l-09nN9U5Ac&feature=youtu.be und n
    Auf der Seite des Möllner SV findet man auch Berichte, Fotos und Partien:
    http://www.moellnersv-schach.de/

Britta Leib